Montag, 12. Mai 2014

Fischotter
Mehr Akzeptanz gegenüber Fischotter & Co ist auch in OÖ dringend nötig

Fischotter, Seeadler, Gänsesäger, Graureiher, Eisvogel, Kormoran, Fischadler und Co - alle fressen Fische. Daher werden diese Tiere sehr oft in ein schlechtes Licht gerückt. Allzuoft liest man in der Zeitung negatives über diese Tiere. Dabei waren sie bis vor kurzem großteils ausgerottet und haben sich nur langsam ihren einstigen Lebensraum zurückerobert oder sind gerade erst wieder dabei.

Die negative Berichterstattung geht fast ausschließlich von Fischern und deren Interessensvertretungen aus. Leider wird hier oftmals ganz bewusst auf Märchen- und Legendenbildung gesetzt. Eines dieser Märchen ist jenes von den angeblich ausgesetzten Ottern. Standhaft wird dieses Gerücht gestreut und viele glauben es bereits oder auch all zu gern. Dabei erobern sich Fischotter ihren alten Lebensraum aus gänzlich eigener Kraft zurück, ganz ohne Zutun des Menschen. Aber eine einfache Sündenbockargumentation ist halt um vieles einfacher als die vielschichtige Wirklichkeit. Oft vergessen wird daher auch der schlechte Zustand unserer Fließgewässer, neben der Verschmutzung (Nachklärung von Abwässern, Intensivlandwirtschaft mit Gülle) sind es vor allem die vielen Staustufen, Regulierungen, Drainagen und Ausleitungsstrecken, die unsere Bäche & Flüsse und damit den Fischlebensraum drastisch verschlechtert haben bzw. noch immer verschlechtern. 

Aber E-Wirtschaft und Landwirtschaft erscheinen übermächtig. Mit oftmaligen und teuren Besatzmaßnahmen versucht man gegenzulenken, doch das kann nicht nachhaltig gelingen, solange der Lebensraum nicht wieder in Ordnung gebracht wird. Vielmehr deckt man dem Otter den Tisch immer wieder aufs Neue und greift so unnötig ein, in das natürliche Wechselspiel von Beute und Erbeuter. Da der Otter allemal der bessere Fischer ist, bleibt für den Angler schlussendlich weniger übrig. 

Wo gilt es also anzusetzten? Renaturierung unserer Fließgewässer hat oberste Priorität. Wasserrahmen- und FFH-Richtlinie legen es uns ohnehin nahe, nur geschehen tut zu wenig. Es braucht auch wieder mehr Struktur in den Gewässern und mehr Laichplätze. Dazu sind die kleinen Seitenbäche und Nebengerinne (Wiesengräben, ...) sehr wichtig. Gänzlich kostenlos schafft uns der Biber wieder neue Strukturen, Einstände, schafft Lebensraum und Nahrung für die Fische. Auch gilt es um jeden Liter Restwasser und um jede Fischtreppe zu kämpfen. Die E-Wirtschaft nutzt laufend öffentliches Gut zum Betrieb ihrer Werke und zur Generierung von Gewinn, daher ist auch eine laufende Kompensation der beeinträchtigten Ökosystemleistungen zu fordern. Keine Lösung sind "Entnahmen" von Tieren. Das würde nur unnötige Unruhe in die Population bringen und die Wirkung wäre nur von kurzer Dauer. Überdies sind Fischotter nicht umsonst geschützt. Otterweibchen können das ganze Jahr über Junge bekommen, eine waidgerechte und ethische Jagd auf sie daher praktisch nicht möglich.

Schlussendlich wird auch mehr Akzeptanz notwendig sein für unsere Mitgeschöpfe. Aber wer die ökologischen Zusammenhänge kennt, wird sich damit nicht schwer tun, dem interessanten Gesellen seine Daseinsberechtigung zuzugestehen.