Mittwoch, 16. Juli 2014

Mehr Artenvielfalt braucht das Land

Der Zustand der österreichischen Natur gibt vielfach Grund zur Sorge. Die Ergebnisse des jüngsten Artikel-17-Berichts des Umweltbundesamts über den Zustand der Arten und Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse in Österreich sind alarmierend. Von einem günstigen Erhaltungszustand kann nur selten die Rede sein. Viele Lebensräume und Arten sind am Aussterben. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit 1992 das Programm Natura2000 der Europäischen Union, wo alle Mitgliedsländer dazu verpflichtet sind, ausreichend Lebensräume und ein zusammenhängendes Netzwerk für ein nachhaltiges Überleben der europäischen Natur sicherzustellen. Österreich ist seit 1995 Mitglied in der Europäischen Union und war bislang bei der Umsetzung säumig. Ein Mahnschreiben der Europäischen Kommission liegt mittlerweile vor und fordert Österreich auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Auch in Oberösterreich besteht vielfacher Nachholbedarf. Besonders Lebensräume im Norden (Hochlagen des Mühlviertels, Grünes Band), im Süden (Kalkalpen) und entlang der Donau müssen besser geschützt werden. Diese Lebensräume brauchen aber auch Verbindung und Vernetzung. Hier sind vor allem die überregionalen Wildtierkorridore und die Flüsse als Schutzflächen wichtig, um das ökologische Netzwerk Natura2000 mit Leben zu erfüllen.

Wie zu erwarten war, haben sich bereits die verschiedenen Interessensvertretungen in Stellung gebracht um gegen weitere Natura2000-Flächen zu lobbyieren. Mit Angstparolen und Falschinformation wird gegen den Naturschutz mobil gemacht. Umsetzung von Gemeinschaftsrecht ist aber kein nationales Wunschkonzert. Genauso wie es selbstverständlich ist, dass Gemeinschaftsrecht in den Bereichen Justiz, Verkehr, Finanzen oder in der Wirtschaft umgesetzt wird, so muss es mit der gleichen Selbstverständigkeit auch im Bereich der Biodiversität, für den Arten- und Lebensraumschutz umgesetzt werden. 

In der Wahl der Mittel zur Umsetzung sind die Mitgliedsstaaten hier freier, das Ziel ist aber dennoch klar vorgegeben: ein günstiger Erhaltungszustand für Lebensräume und Arten! Das macht auch Sinn, schließlich sind gesunde Lebensgrundlagen und funktionierende Ökosysteme Basis des menschlichen Lebens und Wirtschaftens, auch in Oberösterreich. Aus demselben Grund muss „Grüne Infrastruktur“ so selbstverständlich werden wie die andere Infrastruktur, die in Oberösterreich täglich mit großem Aufwand gebaut und erweitert wird, und auch mit hohem finanziellem Aufwand erhalten werden muss. Im Vergleich ist Grüne Infrastruktur in allen Belangen wesentlich günstiger – und jedenfalls nachhaltig.

Zukünftig werden Grundbesitzer in Natura2000-Gebieten profitieren, da viele Förderungen auf diese Schutzflächen konzentriert werden. Insbesondere dort, wo sich gute Lebensräume erhalten haben, soll die Bewirtschaftung so erhalten bleiben, wie sie bisher geschah. Wichtig auch: die beiliegende Karte zeigt die Vorkommensgebiete/den Suchraum von nachzufordernden Lebensräumen und Arten in OÖ. Die genaue Abgrenzung ist dann Sache der Behörde.

Neben der Ausweisung weiterer Schutzflächen ist auch die gute Umsetzung der bestehenden Schutzgebiete dringend geboten. Feigenblattnaturschutz kann nicht länger das Mittel der Wahl sein. Wo immer noch Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse verschwinden, aufgedüngt, drainagiert, planiert und zubetoniert werden hat die Biodiversität noch nicht den Stellenwert erreicht, den sie braucht für ein lebenswertes und zukunftsfähiges Oberösterreich. [mehr]