Dienstag, 20. Januar 2015

Wie Fördergelder für die Landwirtschaft die Natur schützen könnten

Das steht im oö. Natur- und Landschaftsschutzgesetz:

Zielsetzungen und Aufgaben:

(1) Dieses Landesgesetz hat zum Ziel, die heimische Natur und Landschaft in ihren Lebens- oder Erscheinungsformen zu erhalten, sie zu gestalten und zu pflegen und dadurch dem Menschen eine ihm angemessene bestmögliche Lebensgrundlage zu sichern (öffentliches Interesse am Natur- und Landschaftsschutz).

(2) Durch dieses Landesgesetz werden insbesondere geschützt:
1. das ungestörte Wirkungsgefüge des Naturhaushaltes (Ablauf natürlicher Entwicklungen);
2. der Artenreichtum der heimischen Pflanzen-, Pilz- und Tierwelt (Artenschutz) sowie deren natürliche Lebensräume und Lebensgrundlagen (Biotopschutz);
3. die Vielfalt, Eigenart, Schönheit und der Erholungswert der Landschaft;


Das ist die Realität 2014:
Ein äußerst besorgniserregender Zustand der Natur
https://docs.google.com/file/d/0ByXuN_v1UqIuMWJZSTE4MHhoc1U/edit?pli=1


Das könnte die Situation verbessern:
Der gezielte Einsatz der Fördermittel (Landwirtschaftsförderung durch das Land OÖ)


Fördergelder könnten die bedrohte Artenvielfalt schützen,
wenn durch deren Einsatz statt der Produktion von einheitsgrünen Graslandschaften die Bewirtschaftung blumenreicher Wiesen gefördert wird.

Solche Blumenwiesen, die nur 1-2x jährlich gemäht werden, ermöglichen nicht nur Wiesenbrütern das Überleben, sondern auch Wildbienen, Schmetterlingen und viele andere Arten. Außerdem liefern sie struktur- und abwechslungsreiches Futter und garantieren dadurch eine erhöhte Tiergesundheit. Sie sind seit Jahrhunderten ein Erfolgsmodell für Nachhaltigkeit in der Kulturlandschaft, ihre pflegliche Nutzung sichert die Artenvielfalt.

Die Agrarindustrie verfolgt freilich ein anderes Ziel, nämlich Gewinnmaximierung – auf Kosten der Natur. Artenreichen Blumenwiesen steht eine düstere Zukunft bevor. In Gunstlagen sind sie der Intensivierung bereits zum Opfer gefallen. Dort, wo sie bis heute erhalten geblieben sind, droht ihnen jetzt ein ähnliches Schicksal, wenn mit dem neuen ÖPUL*-Programm die Förderung für ertragsschwächere Wiesen reduziert statt deutlich angehoben wird. Es ist zu befürchten, dass viele Bauern die letzten Blumenwiesen umbrechen oder aufforsten.


Fördergelder könnten den umsichtigen Bauern nützen,
wenn für die mühsame Pflege solcher wertvollen Flächen und für Neuanlage und Erhaltung von Hecken, Rainen oder Obstbaumwiesen und anderer Landschaftselemente* ein attraktives Angebot gemacht wird.

Zum naturverträglichen Umgang mit diesen Landschaftselementen sollen aber nicht nur Bauern verpflichtet werden, die an UBB* oder Bio teilnehmen, sondern alle landwirtschaftlichen Betriebe, das entspricht auch der Zielsetzung des oö. Natur- und Landschaftsschutzgesetzes.

Und die bisherigen Praxis der Förderungs-Berechnung muss sich ändern. Bisher haben nämlich die AMA*-Kontrollore schmale Feldraine, Steinhaufen, selbst Flächen, auf die von Hecken oder Feldgehölzen Schatten geworfen wird, aus den Landwirtschaftlichen Nutzflächen herausgerechnet und für diese Flächen Fördergeld abgezogen. So wird eine nachhaltige Kulturlandschaftsentwicklung verhindert. Die Bauern werden diese Landschaftselemente zerstören, indem sie die Raine umackern, die Steine entfernen, alles begradigen etc. Das bringt ihnen mehr Geld und weniger bürokratische Scherereien. Der Lebensraumschutz bleibt auf der Strecke.

Eine großzügige Förderung, die sicherstellt, dass sich die arbeitsaufwändige naturschonende Bewirtschaftung auch lohnt, könnte auch in benachteiligten Gebieten manche Nutzungsaufgabe verhindern.


Fördergelder könnten die Gesellschaft beschützen,
weil man damit verhindern kann, dass künftig ausgeräumte und strukturlose Produktionslandschaften, die ihrer vielfältigen Ökosystemleistungen beraubt wurden, unser Lebensumfeld bestimmen.

Das landwirtschaftliche Förderwesen zielt – vermehrt auch indirekt – immer stärker auf die bedingungslose Ausbeutung und nicht auf den schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen ab. Etwa 92 % von Oberösterreich sind als Grünland gewidmet, der weitaus überwiegende Anteil dient der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung. Während Wald- und Ackerflächen zunehmen und zudem die Flächenversiegelung in beängstigendem Ausmaß ansteigt, verschwinden die Wiesen und Strukturelemente – und damit ein Teil der landschaftlichen Identität. Der so hoch gepriesene Wirtschaftsraum Oberösterreich kann nur dann lebenswert bleiben, wenn die Förderungen für Naturschutzmaßnahmen auch zielgerichtet bei den Bauern und Bäuerinnen ankommen. [mehr]


*ÖPUL = Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft
*UBB = umweltgerechte und biodiversitätssteigernde Bewirtschaftung von Acker und Grünland) *Landschaftselemente sind z.B. Wiesenraine, Hecken, Böschungen, Trockensteinmauern, Einzelbäume, Gräben, Tümpel ...Über ihren Wert gibt die Broschüre „Landschaftselemente Warum?“ Auskunft. http://www.netzwerk-land.at/umwelt/landschaftselemente-broschuere/lse-broschuere *AMA = Agrarmarkt Austria